Das Gängeviertel, ein Common? Exkursion

Im Jahre 2009 besetzten einige Menschen die von Abriss und Einhegung gefährdeten Gebäude im jetzigen Gängeviertel. Eine Bewegung ist entstanden, die ein Recht auf Stadt fordert – eine Gemeinschaft, die der Bevölkerung Hamburgs ihre Räume und Orte zurückgeben möchte. Bis heute verhandeln die Köpfe des Gängeviertels mit der Stadt um die Rechte der besetzten Gebäude. Nach der Finanzkrise 2008 sprang der damalige Investor, der die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude umbauen wollte, ab. Es entwickelte sich ein kreativer Protest, der sowohl in den Medien, als auch in den Köpfen der Bevölkerung aufgenommen und geschätzt wurde. 

Mittlerweile ist das Gängeviertel ein wunderschönes Beispiel eines Orte in Hamburg, das für die gemeinschaftliche Nutzung entgegen der Privatisierung von öffentlichem Raum steht. 

Wir erlebten als Seminar eine Führung, die öfter stattfindet und für alle zugänglich ist. Michael Ziehl, einer der Organisatoren des 2009 konzeptionierten, kreativen Protestes stand uns für jegliche Fragen, emotionaler oder sachlicher Art, zur Verfügung. 

Ist das Gängeviertel ein Common? Welche Strukturen sprechen dafür? Wie fühlte es sich an im Gängeviertel als Forscher unterwegs zu sein? 

“Es gibt kein Projekt, das ein 100%iges Commonist, aber auch keins, das nicht etwas von einem Common hat” – ein Zitat von Michael Ziehl bei der Erkundung des Gängeviertels zu Gemeinschaffen, Aushandlungsprozessen, Grenzen des sozialen Raums & common sense/ground. Ressourcen, (sich z.T. wiederholende) Aneignungsprozesse und die damit einhergehenden Regeln, aber auch die Community der Commoners stehen als Triade im Zentrum jedes Gemeingutes; das Common muss gemeinschaftlich produziert und ausgehandelt werden. Dabei kommen bezüglich des Gängeviertels Fragen auf, wie:

Was sind “alternative Ökonomien”, die ein Common unterstützen, bzw. hervorbringt (wie bspw. das Pay-What-You-Want-Prinzip)? 

Wie und was können Urban Commons nachhaltig zur Stadtentwicklungspolitik beitragen?

Ist Denkmalschutz eine Ressource?

Oder inwiefern ist die Kapazität des eigenen Körpers bis hin zur Selbstausbeutung ebenso eine Ressource von Commons?


 
Einen Literaturtipp gab uns Michael Ziehl noch mit auf den Weg:
Exner, Andreas/ Kartzwald, Brigitte (2012): Solidarische Ökonomie & Commons. Intro – Eine Einführung. Wien/ Berlin.

Mehr zum Gängeviertel:
Ziehl, Michael (2017): Zukunftsfähigkeit durch Kooperation. Ein Laborbericht aus dem Gängeviertel Hamburg. Hamburg.

© Foto: Nora Unger